Geschichte und Geschichten

Essen bei Haut und Haar

Essen bei Haut und HaarEines Tages wurde ich in Kalkutta von Geschäftsfreunden zum Abendessen eingeladen. Ich bräuchte mich nicht besonders schick zu machen, es ginge aber zu einem ganz besonderen Essen.

Zunächst dachte ich mir nichts Besonderes dabei, als ich pünktlich mit dem Auto vom Hotel Kenilworth, in dem ich abgestiegen war, abgeholt wurde.  Wir fuhren durch den von dickem Abgasqualm geschwängerten, gewaltigen Abendverkehr des Molochs Kalkutta ostwärts.

Mit der Zeit wurde der Qualm und der Smog immer dichter, nicht nur wegen der abgaswolkenspeienden Taxen und der mit einigen Brettern und vielen Juteschnüren zusammengebundenen und –gehaltenen Lastwagen.

Am Abend, wenn es nicht mehr ganz so brütend heiß ist, steigt der Lebenspuls der Stadt auf den Strassen und Gehwegen nochmals für einige Stunden kräftig an. Die Armen kochen auf fauchenden Petroleumkochern ihr Essen. Die noch Ärmeren kochen auf dem offenen Feuer mit Kuhdung, den sie  tagsüber mit den Händen zu Fladen geformt und an die nächstbeste Wand zum Trocknen geklebt haben. Diejenigen, die noch weniger als nichts haben, betteln und hoffen, dass sich jemand ihrer erbarmt.

In kaum einer anderen Stadt der Welt, die ich gesehen und erkundet habe (und das waren im Laufe der Jahrzehnte eine ganze Menge), habe ich einen ähnlichen Mikrokosmos des menschlichen Daseins so konzentriert und so eng nebeneinander erlebt. Vom unermesslichen Reichtum und Luxus bis zur erbärmlichsten Armut.

Wir fuhren weiter. Die dämmrige Straßenbeleuchtung leuchtete immer weniger, je weiter wir fuhren, bis sie zum Schluss gar nicht mehr vorhanden, oder im immer dichteren Smog einfach nicht mehr zu sehen war. Jedenfalls wurde es immer dusterer, die Gegend immer ärmer und ich wunderte mich schon sehr, wo wir hier etwas essen gehen sollten.

Der Gestank, der durch das offene Fenster hereinwehte, wurde immer impertinenter und veränderte sich vom dieselrußig-stinkenden Smog hin zu einem infernalischen Gestank nach verbrannten Haaren. Diese stammten vom Gerbeprozess und wurden einfach überall verbrannt.
Kurz: Wir waren im Gerberviertel von Kalkutta angekommen. Im schwachen Dämmerlicht der einzigen Straßenlaterne im Umkreis von hunderten Metern war kaum etwas zu erkennen. Zu riechen allerdings schon.

Ich fragte, ob sich der Fahrer vielleicht verfahren hätte. „Nein, wir sind vollkommen richtig“ beschieden mir meine Begleiter. „Hier gibt es das beste chinesische Essen in der ganzen Stadt“. Aha, dachte ich mir. Ist das nun eine Art Mutprobe, oder wie soll ich das deuten und vor allem, wie soll ich denn diese üblen hygienischen Verhältnisse überstehen?

Meine Begleiter klärten mich auf, dass dies das Tangra Gebiet, das Gerberviertel sei, und dass die Gerbung von Leder fest in chinesischer Hand sei. Über 350 Gerbereien gehen auf engstem Raum dem alten Handwerk nach, wobei die Haare und andere Bestandteile mühsam von den Häuten der geschlachteten Tiere abgeschabt, die Häute in stinkende Gerberbrühen eingelegt und so haltbar gemacht werden. Alle Abfälle werden anschließend in den schmalen Gassen verbrannt. So stinkt es hier Tag und Nacht so infernalisch, dass einem mehr als einmal der Atem stockt.

Für Inder sei diese Gerbertätigkeit in aller Regel nicht geeignet, wegen der Religion und deren Kastendenken. Wieder einmal musste ich mir eine der vielen Regeln des Hinduismus erklären lassen. Außer vielleicht die allerunterste Kaste, die Unberührbaren, könne kein gläubiger Hindu mit Tierhäuten umgehen, das verbiete die Religion. Deshalb würde diese Arbeit eben von den Chinesen gemacht. Dazu muss man wissen, dass Kalkutta und West-Bengalen ein Zentrum der Lederindustrie mit zehntausenden von Arbeitsplätzen ist. Sehr viele Lederwaren, wie z.B. Geldbörsen, werden hier auch für den Export nach Deutschland hergestellt.

„Aber wo kann man denn hier in diesem Chaos essen – wo gibt es ein Restaurant?“, wollte ich wissen.

Es gäbe hier viele und in der ganzen Stadt sehr berühmte Restaurants, in denen man das beste HAKKA-Essen serviert bekomme. „Es ist vielleicht auf den ersten Eindruck etwas befremdlich hier“. Immerhin das gestand man mir zu. Wir gingen also in fast völliger Dunkelheit zu einer Tür, durch deren Spalt etwas Licht hindurchschimmerte.

Als sich die Tür öffnete, stand inmitten eines vielleicht 4x4m großen Raumes ein gewaltiger Wok mit mindestens eineinhalb Metern Durchmesser, unter dem ein noch gewaltigeres Feuer loderte. Die Hitze schlug einem förmlich wie eine Keule entgegen. Im Wok selbst brodelte siedendes Öl. Ein Chinese mit einer Art Lendenschurz und nacktem Oberkörper rührte Berge von Krabben und anderem Meeresgetier im siedenden Öl und frittierte sie.

Von Tischen war nichts zu sehen. Eine kleine, sehr schmale und sehr steile Treppe führte durch eine Art Falltür in das Obergeschoss. Dass die Treppe so schmal war, hinderte jedoch das Restaurantpersonal nicht daran, auf den Stufen auch noch das benutzte Geschirr zu stapeln, neben dem wir uns mühsam einen Weg nach oben bahnten. Die Deckenluke war so eng, dass ich nur mit Mühe hindurchpasste.

Wir erreichten einen kleinen, niedrigen Raum, in dem ein laut surrender Ventilator es auch nicht schaffte, der gewaltigen Hitze einige Grade Kühle abzutrotzen. In diesem Raum stand ein rot lackierter Holztisch mit zwei ebenfalls rot lackierten Sitzbänken. Unter und hinter den Bänken, aber auch auf dem Tisch stapelten sich Berge von abgenagten Knochen. Just als ich mir überlegte, wie die wohl hierher kommen, warf einer der vier Chinesen, die am Tisch saßen, einen gerade abgenagten Knochen hinter sich. Das sei so „Tischsitte“ hier, wurde ich aufgeklärt.

Ganz ehrlich: ich probiere ja fast alles aus, was man essen kann. Von Schlangen über Waranschwänze vom Grill über frittierte Heuschrecken, habe ich alles schon einmal verkostet. Aber was ich hier sah, das übertraf nicht nur alles bislang erlebte, sondern es überstieg auch meine Vorstellungskräfte deutlich.

Die Chinesen am Tisch standen auf, rülpsten nochmals kräftig und stiegen die Treppe hinunter. Ein Kellner kam, schob die Knochen vom Tisch in einen Eimer und sammelte auch die Knochen vom Boden auf. Die Schüsseln und Teller wurden ebenfalls eingesammelt und auf der Treppe, bei den vielen dort schon stehenden, gestapelt. Mit einem Lappen, der aussah, als hätte seinerzeit schon einer in der Steinzeit damit geputzt, wurde der gröbste Schmutz vom Tisch gewischt.

„Please take a seat Sir! What would you like to eat”, fragte mich der Kellner. Au weia! Weil man ja das machen soll, was die Einheimischen auch machen und weil ich mir überlegte, dass Garnelen und Seafood, die im siedenden Öl frittiert werden, ja nicht gar so kritisch sein sollten, bestellte ich mir „Seafood Hakka style“.

Es dauerte nicht lange, da kam eine große Portion köstlich duftenden Essens auf den Tisch – und es kam auch ein Schweißausbruch nach dem anderen. In kürzester Zeit war ich tropfnass, von der tropischen, schwül-heißen Raumtemperatur, aber auch von den scharfen Speisen. Nachdem ich mittlerweile alle, aber auch wirklich alle europäischen Bedenken über Bord geworfen hatte, probierte ich das Essen. Und es war in der Tat so köstlich und so gut gewürzt, wie ich es kaum irgendwo auf der Welt jemals wieder irgendwo in einem chinesischen Restaurant bekommen habe. Ich wollte sogar noch Nachschlag und habe dem Koch genauestens zugeschaut, wie er im Lendenschurz schwitzend meine Krebse im siedenden Öl schwenkte, tauchte und dann frittiert mit einem Korblöffel entnahm und auf einen Teller kippte. Aus einem Topf kam ein Klatsch Soße hinzu.

Später habe ich dann noch öfter ausdrücklich darum gebeten, dass ich wieder einmal das Essen bei Haut und Haar im Gerberviertel genießen möchte. Und ich habe es immer genossen, und bin noch jedes Mal jämmerlich dabei ins Schwitzen geraten.

 

Ein tolles Rezept, direkt aus dem Tangra Distrikt in Kalkutta (chinesisches Gerberviertel), habe ich aufgeschrieben und übersetzt. Lesen Sie hier!

 

 

Ein kleiner Rückblick auf 30 Jahre OASIS-Versand

Ein kleiner Rückblick auf 30 Jahre OASIS-Versand

 

Vor nunmehr 30 Jahren habe ich mit zwei Partnern, die schon lange nicht mehr dabei sind, die Firma OASIS gegründet. Ich bin damit der Einzige aus dem Gründungstrio, der noch aktiv im Geschäft ist. Damals gab es zwar eine gewisse Aufbruchstimmung in Sachen Bioprodukte, aber noch kaum etablierte Normen für den Bioanbau. Die Laboranalytik war noch meilenweit von dem entfernt, was wir heute kennen. Vieles war tatsächlich so, wie man es heute gerne persifliert: Rosa Latzhosen tragende Sozialpädagogen hatten eine Vision (meine eigenen Arbeits(latz)hosen waren und sind übrigens immer noch rot)… – von der so manche wegen mangelnder Professionalität und Beständigkeit baden ging.

Im Teebereich gab es schlicht noch fast  gar nichts, was man echten Bioanbau hätte nennen können. Ich war komplett fachfremd, denn ich hatte Bauingenieurwesen studiert. „Ideale“ Voraussetzungen also um einen Bioteehandel und eine Bioteeverarbeitung oder gar den Bioanbau zu starten.Logo - Danke für 30 Jahre Bio-Genuss - 1987-2017 - OASIS-Versand

Auch wenn uns niemand so recht zutraute, dass das etwas werden konnte mit unseren Ideen, so ließen wir uns nicht beirren. Wir vertrauten darauf, dass man etwas ändern und verändern kann, wenn man nur wirklich daran glaubt und nicht aufhört daran zu arbeiten.

> Unser erster Schritt war die Entwicklung einiger Früchtetees mit natürlichen Aromen – darunter unser Bio-Früchtetee-Walderdbeere, den es noch heute gibt. Fast zeitgleich waren wir eine der allerersten, wenn nicht die allererste Teefirma in Deutschland die konsequente, chargenbezogene Rückstandsanalysen aller Tees einführte.

Unverzüglich begannen wir auch damit den Bioanbau für Tee aufzubauen. Damals gab es schlicht noch fast nichts in dieser Richtung was man systematischen und kontrollierten Bioanbau nennen konnte. In vielen Ländern, wie Indien, Bangladesch, Tansania, oder Südafrika leisteten wir absolute Pionierarbeit.

Meine härtesten, aber auch schönsten Jahre waren die dafür nötigen, zahlreichen Reisen in die Teeanbauländer. In diesen Ländern traf ich viel Schönes, aber auch sehr viel Armut und noch mehr Unkenntnis über den Bioanbau. Schön, dass ich hier als einer der Allerersten so viel Bio-Pionierarbeit im Teebereich leisten durfte. Diesen oft schwierigen aber auch sehr intensiven „Lehrjahren“ und vielen tollen Fachleuten, von denen ich wahnsinnig viel lernen durfte, verdanke ich viel von meinem umfangreichen Wissen über Bio-Tee, aber auch über Bio-Gewürze, Bio-Weine und vieles mehr.

Dieses Wissen und meine Leidenschaft (manche nennen mich auch stur, weil ich nur hochwertige Qualitäten akzeptiere)  für wunderbare, authentische Lebens- und Genussmittel können Sie schmecken, wenn Sie bei uns bestellen. Jedenfalls hoffe ich das sehr.

 

Seit 30 Jahren Bio-Genuss und -Qualität > hier bestellen!

 

In den nächsten Newslettern werde ich Ihnen noch viele Geschichten aus der OASIS-Geschichte erzählen. Einige finden Sie schon hier in unserem Blog – unter „Geschichte und Geschichten“. Bleiben  Sie gespannt und neugierig.

 

Ralph Munz
Gründer, Geschäftsführender Gesellschafter, OASIS-Versand

 

 

Warum mancher Darjeeling jetzt nicht mehr Darjeeling heißen darf

warum mancher Darjeeling jetzt nicht mehr Darjeeling heißen darfVielleicht haben Sie schon bemerkt, dass wir bei einigen unserer Tees die Namen geändert haben. So wurde z.B. aus dem Darjeeling Earl Grey nun der Tiger Hill Earl Grey. Dabei hat sich an der Zusammensetzung und Qualität des Tees rein gar nichts geändert. Aber an der Rechtslage. Tiger Hill ist übrigens ein berühmter Aussichtspunkt in Darjeeling.

Das Tea Board of India („Behörde für Tee“) hat Darjeeling als geschützte geografische Herkunftsangabe bei der EU registrieren lassen – die Regelung trat Ende November in Kraft.

So richtig wir es finden, dass nicht irgendwelche Tees oder Mischungen als Darjeeling verkauft werden dürfen, so schlecht und unsinnig finden wir manche Regelung innerhalb dieser neuen Herkunftsangabe. So hat man darin schlicht grüne oder weiße Darjeelings ausgeklammert. Auch ein Darjeeling Rosentee darf wohl in Zukunft nicht mehr so heißen und eben auch nicht unser Darjeeling Earl Grey.

Ralph Munz im Gespräch mit banerjeeIch habe schon vor acht! Jahren im direkten Gespräch mit dem damaligen Chef des Teaboards, B. Banerjee diese Problematik diskutiert. Es müsse doch möglich sein dass wir einen Tee, der wie unser Darjeeling Earl Grey, beim Teeanteil zu 100% aus Darjeeling besteht, auch Darjeeling nennen dürfen. Auch sei es unsinnig, dass man nun keinen grünen Darjeeling mehr als Darjeeling verkaufen dürfe. Leider hat sich das Tea Board bis heute nicht bewegt.

So kommt es zu der völlig inakzeptablen Regelung dass viele Dinge, die echter Darjeeling sind, oder echten Darjeeling enthalten, nicht mehr so genannt werden dürfen.

 

 

Vielleicht haben Sie ja Lust, Ihre Meinung zu diesem bürokratischen Unsinn direkt an den indischen Botschafter, Gurjit Singh in Berlin zu senden. Eine Mustermail mit Mailadresse finden Sie unten. Natürlich können Sie ihm auch auf deutsch schreiben. Wir würden uns freuen wenn gerade auch TeetrinkerInnen Stellung beziehen würden.

 


 

Mail an: amboffice.berlin@mea.gov.in
Betreff: Darjeeling specialties

 

Dear Mr. Ambassador,

my organic tea supplier, OASIS-Versand, Empfingen has informed me that some Darjeeling specialties cannot any longer being called Darjeeling.
I am pleased to note that the Tea Board of India has taken action to register Darjeeling as PGI with the European Union to ensure good high and authentic Darjeeling quality tea.
But I like to bring to your notice that I cannot understand nor support the idea that teas which are produced as green or white teas in Darjeeling or those blended i.e. with rose petals in Darjeeling itself, cannot be marketed as Darjeelings anymore. Why should I buy expensive Darjeeling tea and blends if I do not know that it is Darjeeling…
Kindly report to the Indian government as well as to the Tea Board of India that this present regulation is confusing us consumers and that it is jeopardizing the sale of Darjeeling tea specialties.

Yours sincerely
Bitte hier Ihren Namen einsetzen

 


 

 

 

 

Mit dem Fahrstuhl ins Jahrhundertloch –
Gotthard-Basistunnel

Mit dem Fahrstuhl ins Jahrhundertloch

Mit  Ralph Munz auf Baustellebesuch im längsten Eisenbahntunnel der Welt.
(geschrieben 2009 von Ralph Munz für eine Zeitung)

*****

Sedrun, Kanton Graubünden, Schweiz, Sonntag 7.45 Uhr, Staziun Alpina. Auf dem kleinen Bahnsteig steht die stählerne Grubenbahn bereit. Einige Mineure warten noch etwas verschlafen auf ihren Schichtbeginn, rauchen eine Zigarette, stecken sich den Ohrenschutz in die Ohren. Die Overalls mit den Leuchtstreifen, die auch wir tragen, leuchten in der etwas schummrigen Atmosphäre. An die Gefahren, die hier überall lauern, erinnert eindringlich der Krankenwagen, der jederzeit abfahrbereit direkt auf dem Bahnsteig bereit steht.

Wir, das sind Frank Mack, Ralph Munz mit Ehefrau Christine Herbert, sowie unser Führer Michael Müller, steigen ein. Die Diesellokomotive rattert schon und noch einmal schärft uns Michael Müller, Baustellenleiter der Thyssen-Schachtbau, die wichtigsten Sicherheitsvorschriften ein: „Alles was sich bewegt, jedes Fahrzeug, jede Bahn hat Vorrang. Immer eine sichere Nische suchen“. Immer direkt bei uns tragen müssen wir im Rucksack den Sauerstoffselbstretter, der uns im hoffentlich nicht eintretenden Notfall, für einige Zeit mit Atemluft versorgen könnte.

Die Grubenbahn setzt sich lautstark quietschend in Bewegung und ist auch gleich am Talgrund im 1000m langen Zugangsstollen verschwunden. Dunkelheit umfängt uns. Am Ende der Fahrt heißt es aussteigen, sich sputen. Die Sicherheitscodekarte die jeder, der in den Berg will, immer mitführen muss öffnet die Sperre, hinter die normalerweise keine Besucher gelangen können. Der Förderkorb wartet schon. Alles muss schnell gehen. Personentransporte werden nur alle zwei Stunden in den engen Zeitplan eingeschoben. Wir stehen im Förderkorb auf Eisenbahnschienen, halten uns an Ketten an den Wänden fest, wissen nicht so genau, was auf uns zukommt, wenn sich jetzt die Türen schließen. Es gibt außer vereinzelten Grubenlampen der Mineure kein Licht im Korb, der sich jetzt zu seiner rasenden Fahrt 800 m hinunter in des größte Loch der Schweiz in Gang setzt. Eine Fahrt fast wie zum Mittelpunkt der Erde.

Ein Mineur richtet seine Lampe auf die roh mit Beton gespritzten Schachtwände, die an uns vorbeirasen. In knapp hundert Sekunden erreichen wir das Tunnelniveau des neuen Gotthard-Basistunnels. Jetzt schnell raus aus dem Förderkorb, der Aufenthalt unten am Schachfuß ist gefährlich, es könnten lose Brocken herunterdonnern.

Feuchte Wärme umfängt uns, dazu ein Gewirr von Schienen, Leitungen, Rohren, mit Spritzbeton gesicherte Tunnelwände und viel Lärm. Überall mahnen verdreckte Schilder „Stop risk“ daran, dass wir uns hier auf einer der gefährlichsten, aber auch spannendsten Baustellen der Welt befinden. Seit Beginn der Arbeiten im Jahr 1996 ließen schon einige Menschen ihr Leben im Berg. Meist durch „normale Unfälle“ mit Fahrzeugen usw. Nur einer starb durch Steinschlag.

In diesem feuchten ungemütlichen Loch sprengen die Mineure den längsten Eisenbahntunnel der Welt. 57 km, zwei Röhren, 13 Millionen Kubikmeter Gestein, soviel wie fünf Cheops-Pyramiden. Alle 325 m gibt es Querstollen aus Sicherheitsgründen. Das sind die nackten Zahlen die den Gotthard-Basistunnel beschreiben. Wenn voraussichtlich 2017 die ersten Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 km/h durch die glatten Betonröhren des Gotthardtunnels rasen, wird kaum noch etwas an die Strapazen, an die technischen und logistischen und finanziellen Herausforderungen erinnern, denen sich sowohl die Schweizer Bevölkerung als auch die Geologen, Vermesser, Ingenieure, Mineure und viele weitere gestellt haben.

Per Volksentscheid haben die Schweizer entschieden, die Mehrwertsteuer um 0,1% für den Bau der NEAT, der Neuen-Eisenbahn-Alpen-Transversale zu erhöhen. Neben den Einnahmen aus der Schwerverkehrsabgabe ist sie es, die die heute geschätzten 15 Milliarden Franken Baukosten (Anmerkung vom 01.06.2016: es reichten dann doch 11 Milliarden CHF) für den Gotthardtunnel finanziert. Viele weitere Tunnel- und Brückenprojekte müssen daneben noch gebaut werden oder sind teils schon fertig um die Vision der Schweizer Wirklichkeit werden zu lassen: Der Schwerlastverkehr muss auf die Schiene.

Im Tunnel nimmt uns die etwas unheimliche Welt gefangen. Wir fragen uns, wie fühlt sich das für jeden von uns an, zu wissen, dass sich über uns 1800 m hoch der Fels türmt? Was wäre, wenn es jetzt plötzlich z.B. einen Wassereinbruch gäbe, was wenn ein Feuer ausbräche?

Diese Gedanken verdrängen wir schnell, denn die Eindrücke dieses Superlochs sind viel gewaltiger. Neben der Sicherheit wird auch Umweltschutz groß geschrieben. Unten, in den Nähe der Förderschächte gibt es eine riesige Kläranlage, in der das massenweise anfallende Bergwasser gereinigt wird, um es dann mit starken Pumpen 800 m nach oben ans Tageslicht zu befördern. Ein Teil dient für die Versorgung der gewaltigen Betonfabrik hier unten im Berg. Durchschnittlich 500 Kubikmeter Beton werden hier in der Unterwelt täglich für die Versorgung der Baustelle hergestellt. Ein eigenes Betonlabor direkt im Tunnel überwacht die Güte rund um die Uhr. Speziell für diese Baustelle wurde sogar ein feuerbeständiger Beton entwickelt.

Nach einer Besichtigung der gigantischen Kühlanlagen, mit denen die teilweise über 40 Grad Celsius heiße Luft (die Erdwärme wird hier buchstäblich am eigenen Leib spürbar) auf einigermaßen erträgliche 27 Grad herunter gekühlt wird um ein Arbeiten überhaupt zu ermöglichen, fangen wir in der feuchtwarmen Atmosphäre schon an zu schwitzen.

Angesichts der riesigen Maschinen, Anlagen, Bahnen und Werkstätten hier unten in der Welt, die nie einen Strahl Tageslicht sieht, staunen wir, wie es gelingen konnte, diese gewaltigen Mengen an Material durch die engen Förderschächte herunterzubekommen. Diese Logistik ist übrigens eine der schwierigsten Aufgaben die es jeden Tag auf‘s Neue zu lösen gilt. Was zählt ist Sicherheit und die Anzahl der neu aufgefahrenen Tunnelmeter. Meter bringen Geld, so heißt es hier.

Die Dimensionen der sogenannten Multifunktionsstelle im Umkreis des Schachtfußes sind gewaltig. Ursprünglich sollte hier einmal ein Bahnhof in der Unterwelt der Alpen entstehen, der den abgelegenen Kantone Graubünden und Uri besser mit dem Rest der Welt verbinden sollte. Vor allem im Winter ist Sedrun nur mit großen Umwegen erreichbar. Später entschied man dann jedoch, dass es zumindest vorläufig nur eine Nothaltestelle werden wird.

Die Grubenbahn wartet schon. Wir müssen uns sputen, denn alles läuft in Schweizer Präzision genau nach Fahrplan. Wer zu spät kommt muss warten. Ruckelnd, quietschend setzt sich die Bahn in Bewegung. Durch die vergitterten Fenster weht der Fahrtwind, die Neonlampen zucken vorbei, die Lüftungsaggregate dröhnen. Auf halber Strecke passieren wir eine so genannte Wetterschleuse, in der die Luft, die das Atmen hier unten überhaupt ermöglicht, in die richtige Richtung, in den richtigen Stollenabschnitt geblasen wird. Dazwischen wird es plötzlich sehr warm. Müller lacht und sagt: „Wir sorgen dafür, dass hauptsächlich in den Bereichen in denen aktuell gearbeitet wird, das Wetter, (Anm.: so nennen die Bergleute die Belüftung), stimmt.“ Auf die Frage, welches denn die höchsten Temperaturen seien, denen die Arbeiter hier unten ausgesetzt seien, antwortet er schmunzelnd:“Unsere Thermometer hören alle bei 27°C auf – mehr erlaubt die SUVA (die schweizerische Berufsgenossenschaft) nicht.

Die Bahn hält, wir steigen aus. Der allgegenwärtige, mit Stahlfasern armierte Spritzbeton an den Wänden weist an vielen Stellen Risse auf. Hier tobt sich der Berg noch aus, nachdem man ihn ausgebrochen hat. Überhaupt zählt der Abschnitt Sedrun des Tunnels zu den kompliziertesten. Schwierigste geologische Bedingungen erschweren die Arbeit und lassen den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen nicht zu.  Das Gebirge ist verworfen, hat Risse, Verschiebungen von 70cm und mehr.  Der an viele Stellen vorkommende Glimmerschiefer ist blättrig und neigt zum Abbrechen. Alle paar Tunnelmeter können sich die geologischen Verhältnisse wieder ändern. Es müssen alle 2 – 3 Meter schwere, stählerne Sicherungsbogen eingebaut werden. Diese sind so konstruiert, dass sie sich verformen können um die immensen Kräfte, die der Berg erzeugt, abbauen zu können. Nach einiger Zeit hat sich dann das Kräftegleichgewicht wieder eingestellt und die Gewölbewirkung kann, ähnlich den gotischen Kathedralen, den Bergdruck aufnehmen.

Die Schienen der Grubenbahn enden hier, genauso wie der Sohlenbeton. Dafür stehen wir jetzt teilweise bis zum Rand unserer schweren Sicherheitsgummistiefel im Schlamm. Müller macht uns darauf aufmerksam, dass in rund 350 m Abstand die Maschinen zurückgezogen werden. Eine Sirene heult auf, Detonationen erschüttern dumpf grollend den Berg und gleich weht uns eine Druckwelle um die Ohren. Die Lutte, das ist der Luftschlauch für die Versorgung mit Frischluft wird durchgeschüttelt. Gleich danach breitet sich beißender Ammoniakgeruch aus. Die Lüftung läuft auf Hochtouren um die giftigen Sprengschwaden abzusaugen. Die Sprengung war erfolgreich, die Luft ist von Gesteinsstaub geschwängert.

Wir durften, was nur ganz selten Außenstehenden vergönnt ist, gerade eine Sprengung „live“ miterleben. Und wir dürfen, eskortiert vom Schichtführer, der vorausgeht und von Müller, der von hinten sichert, an die so genannte Ortsbrust und dort nach dem erfolgten Abschlag, als erste das jungfräuliche Gestein, das noch niemals zuvor ein Mensch in Jahrmillionen gesehen hat, anschauen. Noch immer hängt der Ammoniakgeruch des Sprengstoffes beißend in der Luft, aber dieses Gefühl hier in der Unterwelt etwas zu sehen, was noch nie zuvor jemand gesehen hat, ist überwältigend.  Einige Erinnerungsfotos müssen sein, aber wir müssen uns sputen, denn schon laufen die riesigen Radlader an um zu schuttern, also das soeben herausgesprengte Gestein herauszubaggern. Mit Vollgas rammt sich die Schaufel des Laders in die Felsbrocken, Schaufel zurückneigen und mit Vollgas wieder rückwärts. Der Lärm ist, trotz der Ohrenstöpsel ohrenbetäubend. Einige Meter zurück stoppt der Radlader und kippt dank seiner speziellen Konstruktion seine ganze Ladung wegen der engen Platzverhältnisse seitlich in den bereits auf Hochtouren rotierenden Gesteinsbrecher. Seine Walzen zermalmen unter lautem Quietschen, Krachen und Donnern die Brocken in handtellergroße Teile, die dann gleich mit dem kilometerlangen Förderband abtransportiert werden.

Einige Meter von der Sprengstelle entfernt donnern mehrere Pressluftbohrer eines sogenannten Bohrjumbos. Innerhalb von ein, zwei Minuten fressen sie sich mehrer Meter in den Tunnelfirst. Rohrähnliche Anker werden von den Mineuren eingeschoben. Ein Schlauch wird angeschlossen und Wasser mit Hochdruck eingepresst. Die Swellex-Anker biegen sich unter dem Druck auf und pressen sich fest an das Bohrloch. Jetzt werden Ketten eingehängt und an diese wiederum Stahlschienen an denen später die ganze technische Ausrüstung wie Luftversorgung, Abwasser der Pumpen, Pressluft usw. hängen. 2,5 Tonnen muss jeder Anker halten, auf 7,5 Tonnen Zugkraft wird jeder geprüft. Auch hier wird wieder deutlich, welch gewaltiger Aufwand erforderlich ist. Später, wenn die Tunnelröhre mit Spezialfolien abgedichtet und mit Beton ausbetoniert wird, müssen die gesamten Installationen zuvor wieder herausgebaut werden.

Als wir gerade beobachten, wie die Anker verpresst werden, nähert sich ein Mineur mit einer Tasche und schenkt uns knusprige Blätterteiggipfel (Hörnchen) von seinem Vesper. Wir bedanken uns mit einem „Glück auf“ und merken, wie groß und wichtig, ja überlebenswichtig hier die Kameradschaft unter den Mineuren ist. Jeder ist für jeden verantwortlich, jeder sichert das Überleben des anderen in dieser lebensfeindlichen Unterwelt.

Es ist Zeit für die Rückfahrt mit der Grubenbahn. Mit verdreckten Stiefeln, durchgeschwitzten Overalls, aber um absolut einmalige Eindrücke reicher, treten wir die Rückfahrt an.

Am Schachtfuß besichtigen wir, welchen Weg das herausgesprengte Gestein nimmt. Güterzüge mit prall gefüllten Loren fahren an die Förderanlage heran. Die einzelnen Wagen werden vollautomatisch in den Förderkorb geschoben und dort gesichert. Der Korb fährt einige Meter hoch, die zweite Etage wird mit weiteren zwei Waggons beschickt und fährt sofort los ganz nach oben. Alles geht vollautomatisch, rund um die Uhr. Nur in der Nacht von Sonntag auf Montag ruht der Betrieb meist für zwei, drei  Stunden. Die Zeit für die Geodäten und Markscheider, also die Vermessungsingenieure, die dann ihre Präzisionsmessungen vornehmen können, die unter laufendem Betrieb so nicht möglich wären.

Auch wieder so ein Gegensatz der fasziniert. Auf der einen Seite geht es mit Sprengungen und schweren Maschinen sehr grob zu, andererseits müssen die Vermesser eine schier unglaubliche Präzision an den Tag legen, damit sich die Mineure in Sedrun mit ihren Kollegen, die von der anderen Seite her den Berg durchörtern, auch an der vorgesehenen Stelle treffen, präzise den Durschlag schaffen und sich die Hände schütteln können. Teilweise mussten hierfür ganz neue Messverfahren entwickelt werden. Die bisherigen Durchschläge an den anderen Teilabschnitten des Tunnels erfolgten mit einem Versatz von teilweise weniger als ein Zentimeter. Schier unglaublich wie das möglich ist.

Am Schachtfuß müssen wir noch kurz warten bevor wir wieder 800m nach oben rauschen werden. „Stop risk“ erinnert uns ein weiteres Schild noch einmal daran, wie gefährlich diese Arbeitsplätze sind. Die Türen öffnen sich, wir steigen ein, weitere Mineure steigen zu, sie haben ihre Schicht beendet, sehen erschöpft aus und schweigen. Der Aufzug zieht an, Wind bläst uns durchs Gesicht, wir merken nun, da wir gegen das Wetter, also die eingeblasene Luft fahren, wie schnell wir durch den 800m Schacht nach oben rasen.

Aussteigen und wieder die Sicherheitsschleuse durchschreiten. Gerade kommt die Grubenbahn durch den Zugangsstollen – mit an Bord eine Gruppe Besucher, die aber nur bis zum Schachtkopf dürfen. Wir schätzen uns glücklich, dass wir viel mehr erleben durften und rattern unter ohrenbetäubendem Quietschen durch den Zugangsstollen wieder ans Tageslicht, wo uns bei Kaiserwetter die malerische Bergwelt des Kantons Graubünden empfängt.

 

 

Biotee: Chilies from Hell…

Biotee: Chilies from Hell…

oder im Planters Club wird scharf gegessen!

Biotee aus Geschichte und Geschichten

 

 

Biotee: Nach einer langen, mehrtägigen Tour durch die Teegärten des Hochlandes von Sri Lanka kehrte ich zusammen mit einigen einheimischen Freunden gegen 22 Uhr in den Planters Club in Kandy ein. Wir alle hatten großen Hunger, und so ließ sich der Koch erweichen, uns ein Chicken-Curry zu kochen. Damit wir in der Zwischenzeit nicht zu lange hungern sollten, hatte er uns so etwas wie die Sri Lankische Version eines Cevapcici-Spießes gebraten und serviert.

Wir alle langten kräftig zu und ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass auch dieses Gericht, so wie fast alles in Sri Lanka, richtig scharf sein würde. Ich behielt Recht! Es war so scharf, dass meine einheimischen Begleiter kapitulierten und meinten, daß das „Chilies from hell“ seien, die da verarbeitet waren. Mir hat es dagegen vorzüglich geschmeckt, auch wenn es brannte wie „Höllenfeuer“.

Aus den „Geschichte und Geschichten“ von Ihrem Bio-Tee Shop!

Wenn Tee kein Vergnügen (mehr) ist…

Wenn Tee kein Vergnügen (mehr) ist…

Die Teeauktion in Kalkutta im Jahr 1990 ist in vollem Gange, der Auktionator am Pult ruft ein Lot, also eine Partie Tee nach dem anderen auf. Ich setze mich in eine der oberen Reihen der wie in einem Hörsaal angeordneten Bänke. Während vorne gerade der Auktionator Krishan Katyal von der Brokerfirma J. Thomas ein Lot nach dem anderen in einem schnellen, für mich kaum nachvollziehbaren, Singsang versteigert, servieren Saaldiener Tee und Biskuitkekse. Ca. alle 30-40 Sekunden versteigert Krishan ein Lot, das waren damals mindestens 5 Kisten Tee. Manchmal wird es hektisch, wenn sich mehrere Bieter um eine Partie streiten, dann kochen die Emotionen hoch und es kann laut werden. Ansonsten ist das ein sehr schnelles und schon seit 1886 eingeübtes Geschäft mit klaren und sehr strengen Regeln.

Jeder Käufer kann und darf sich darauf verlassen, dass der Tee, den er vorab zur Verkostung erhalten hat, auch mit dem identisch ist, den er während der Auktion kauft. Im Gegenzug muss der Käufer bei der Calcutta Tea Traders Association registriert sein und auch Bankgarantien hinterlegt haben. Innerhalb weniger Tage nach dem Zuschlag muss er seinen Kauf auch bezahlen.

Meine Angst, die ich im Vorfeld hatte, dass ich aus Versehen, z.B. durch Heben der Hand, einen Zuschlag bekommen würde, den ich gar nicht gewollt hatte, erwies sich als ziemlich gegenstandslos. Denn Auktionatoren und Käufer kennen sich sehr genau, aus vielen Jahren der Zusammenarbeit. Mir hätte Krishan, selbst wenn ich gewollt hätte, gar keinen Tee in der Auktion verkauft.

Später treffe ich Auktionator Krishan Katyal, den ich noch viele viele Male in Indien treffen sollte, im Büro meines Freundes Subhash wieder, wo er täglich zu einer kleinen Kaffe- und Mittagspause vorbeikam.

Als ich ihn fragte, warum er denn Kaffee und keinen Tee trinke, antwortete er mir mit einem Satz, der mir bis heute sehr intensiv im Gedächtnis blieb: „I never take tea for pleasure!“ (Ich  trinke Tee nie zum Vergnügen). Dafür verkostet er aber bis zu 2.000 Tassen Tee am Tag – und das an jedem Werktag!

Aus den „Geschichte und Geschichten“ von Ihrem Bio-Tee Shop!

 

Bio – Weihnachtstee – eine lange Tradition mit Überraschungen

Ursprünglich haben wir den OASIS-Versand ja mit der Herstellung von Früchtetees begonnen. Das war vor 25 Jahren. Schnell kamen neben den Traditionssorten wie Früchtetee „Wald-Erdbeere“, den es übrigens als ersten gab und heute noch immer gibt, weitere Sorten, wie „Zitrone“, „Orange“ usw. hinzu.

Für den Winter gab es dann sozusagen als ersten Weihnachts- und Wintertee den Früchtetee „Kamingeflüster“. Anfangs hieß er allerdings anders, bis jemand sich den seinerzeitigen Namen als Marke schützen ließ und wir einen neuen Namen für den Tee brauchten. Seit 2004 ist „Kamingeflüster“ als unsere Marke beim Patentamt eingetragen.

Ob es neben dem Früchtetee denn nicht auch einen tollen Weihnachts- Schwarztee gäbe, wollten viele Kunden seinerzeit wissen. Wir haben dann lange herumexperimentiert und Mustermischung um Mustermischung gemacht. Probiert und neu gemischt. Irgendwann hatten wir dann einen Weihnachtstee der uns außergewöhnlich gut schmeckte, aber wir hatten auch ein Problem.

Wenn wir die Rezeptur, so wir diese aufgeschrieben hatten, mischten, schmeckte der Tee anders, als unsere „Supermischung“. Mit detektivischer Akribie gingen wir der Sache auf den Grund und irgendwann kamen wir dann darauf, dass wir unseren Mustermischer offenbar nicht gründlich genug gereinigt hatten und ein klein wenig Reste einer anderen Mischung haften geblieben waren.

Nachdem wir diese Mischung identifiziert und ein klein wenig der Aromen, die dort enthalten waren in die Rezeptur des Weihnachtstees eingebaut hatten, hatten wir auch unseren Super-Weihnachtstee.

Jedes Jahr experimentiere ich wieder aufs Neue und suche neue Herausforderungen, neue noch bessere Nuancen, die weihnachtlich, fruchtig-gewürzig und und sein sollen. Und es wird nicht einfacher.

Dennoch finden Sie neben langjährig bewährten und beliebten Sorten auch immer wieder neue Geschmackserlebnisse.

In Ihrem OASIS-Versand Tee Shop können Sie ihn online kaufen und bestellen! Wir wünschen viel Vergnügen.

 

 

Kleider machen Leute – aber welche Leute machen neue Kleider?

Einer unserer Rucksäcke, in dem wir unsere Kleidung und viele andere Dinge verstaut hatten, fand sich trotz intensivster Bemühungen, jedenfalls von unserer Seite, von Seiten des Aeroflot-Büros in Kalkutta konnten wir das nicht erkennen, nicht mehr ein. Vermutlich war er bei der Ankunft in Kalkutta auf dem Flughafen, während wir ewig auf die Zollabfertigung warteten, gestohlen worden. So standen wir vor dem ziemlich großen und drängenden Problem, wo wir neue Klamotten her bekommen sollten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Auf dem Gariahat Market in Kalkutta – Alles ganz frisch!

Lebensmittelmärkte gehören für mich immer zu den spannendsten Plätzen in fremden Ländern. Natürlich machten wir uns auf, einen der farbenprächtigsten Lebensmittelmärkte Kalkuttas, den Gariahat Markt zu erkunden. Noch dazu, da er nur unweit unseres Gästehauses liegt, in dem wir logierten.

Zunächst einmal galt es, sich durch den dichten und völlig chaotischen, aber nicht allzu schnellen Verkehr aus hupenden Taxen, scheppernden und ächzenden Trambahnen sowie rußenden, qualmenden LKW auf die andere Straßenseite zu bahnen.

Als wir den Markt durch den Haupteingang betreten wollten, wurde gerade eine Herde von Ziegen hineingetrieben.

Am Anfang des überaus bunten und belebten Marktes fanden wir unter den überdachten Teilen Händler, die eine schier unübersehbare Auswahl an Gewürzen in allen Farben feilboten. Jeder wollte uns etwas verkaufen. In offenen Säcken wurde Curcuma, Bockshornklee, allerlei verschiedene Pfeffer, Anissamen usw. angeboten. Natürlich auch Safran, dessen Farbe in Indien heilig ist. Kam ein Kunde und wollte etwas kaufen, nahm der Händler ein Stück Zeitungspapier und faltete in Windeseile, aber sehr kunstvoll eine kleine Tüte, in die er dann das Gewürz abfüllte und mit einer kleinen Handwaage verwog.

Weiter ging es, vorbei Ständen die überquollen von Obst und vor allem von Gemüsesorten, die wir in Europa so noch nirgendwo gesehen hatten. Da gab es z.B. Bittergurken und die jämmerlich stinkende Jackfrucht, aber auch Berge von Chilischoten in allen Größen und Farben. Bei einer ganz winzigkleinen, dunkelroten Chilisorte, die ich mir näher anschaute, grinste der Händler breit und meinte nur: „Atombomb“. Das charakterisierte die extreme Schärfe dieser Minischoten sicher sehr genau. Schade eigentlich, dass wir einerseits keine Gewürze benötigten, weil wir ja nicht selbst kochen wollten und konnten und andererseits doch gewisse europäische Hemmungen ob der hygienischen Verhältnisse hatten.

In Indien, so erfuhr ich später immer wieder, nehmen Gewürze in der Küche einen extrem wichtigen Stellenwert ein. Anders als bei uns, wo wir meist gemahlene Gewürze verwenden, gibt es Indien in jeder Küche einen Stein, der einem kleinen Waschbrett ähnelt und auf dem mit einem zweiten Stein die Gewürze, die man gerade für ein Gericht benötigt, miteinander vermahlen werden. So entstehen sehr intensiv schmeckende Gewürze, Gewürzmischungen und Gewürzpasten.

Wir gingen etwas weiter und konnten in einer Art Innenhof die Fischhändler beobachten. Speziell in Bengalen ist Fisch und Fleisch in der Küche sehr wichtig. Die Fischhändler saßen, wie es bei allen Händlern in Indien üblich ist, im Schneidersitz auf Ihren Auslagetischen hinter ihrem Angebot. Da gab es Fische in allen Größen. Von ganz kleinen bis zu sehr großen. Natürlich kannten wir die einzelnen Arten, die hier feilgehalten wurden, nicht. Die Fischhändler versuchten uns trotzdem in Bengali, der hier gesprochenen Sprache zum Kauf zu ermuntern. Vor jedem Fischhändler stand ein, an ein Krummschwert erinnerndes, martialisch anmutenden Messer auf einer Art Fuß. Sie hielten es mit ihren Füssen fest und zerteilten die Fische je nach Kundenwunsch kunstvoll und in Windeseile. Ich wunderte mich, dass sich dennoch keiner in die Finger schnitt. Andere Länder, ganz andere Sitten! Bei uns bewegt man das Messer, hier bewegte man den Fisch um das Messer herum.

Auch wenn die Fische sicher sehr frisch waren, so konnte man den Geruch hier doch bei allem Wohlwollen nur ziemlich streng nennen. Natürlich gab es auch Meeresfrüchte in großen Mengen und in allen Variationen, obwohl es von Kalkutta aus bis zum Meer bei Diamond Harbour noch ca. 60 km sind.

Die den Markt begleitende Geräuschkulisse mit den vielen Menschen, die handelten, schwatzten oder ganz einfach einkauften, war streckenweise fast ohrenbetäubend. Dazwischen jaulte irgendwo schmalzige Hindimusik aus einem Kassettenspieler mit extremen Gleichlaufschwankungen. Das störte niemand. Hauptsache die Leistung des Verstärkers war groß genug und die an Trompeten erinnernden Lautsprecher waren so richtig laut.

Wir gingen weiter, noch etwas tiefer in den Markt hinein und kamen zu den Geflügelhändlern. Die Hühner und viele andere Vögel wurden in Körben dicht gedrängt, lebend in den Markt gebracht. Wenn ein Käufer ein Huhn kaufen wollte, wurde es in Windeseile getötet, gerupft und zerlegt. Das Zerlegen mit dem schon eingangs erwähnten feststehende Messer dauerte keine Minute. So groß war die Übung und die Geschicklichkeit der Geflügelmetzger. Immerhin stellte man auf diese Weise sicher, dass das Fleisch frisch war. Kühlmöglichkeiten oder wenigstens Eis gab es hier in 40 Grad Hitze nämlich nirgendwo auf dem Markt. Ich stellte und stelle mir in Indien angesichts der sehr mageren, hautigen und oft auch zähen Hühner allerdings immer wieder die Frage, ob das Schlachten der ausgemergelten Tiere ihrem natürlichen Tod nicht einfach nur einige Stunden oder Tage zuvor kam. Zum genussvollen Essen ist auf jeden Fall ziemlich wenig Fleisch an so einem echt indischen Huhn.

Einige Meter weiter kamen die Stände der Metzger, die Schaf- und anderes Fleisch anboten. Hier war das Getümmel noch ein wenig größer und hier zeigte sich auch an der Kleidung wie multiethnisch Indien ist und wie viele Religionen in diesem Subkontinent verhältnismäßig ruhig zusammenleben. sieht man einmal von den immer wieder aufflammenden Unruhen, meist zwischen Hindus und Moslems ab.

Für diejenigen Inder, auch Hindus, die nicht vegetarisch leben, gab es vor allem Hammel, Huhn, aber auch Schweine- und Ziegenfleisch im Angebot. Für die Moslems dafür kein Schweinefleisch usw.

Nachdem wir uns alles genau angesehen hatten und praktisch jeder einzelne der vielen Händler auf dem Markt versucht hatte, uns etwas von seinen Schätzen zu verkaufen, oder doch wenigstens in den höchsten Tönen anzupreisen, machten wir uns langsam an den Rückweg. Das gestaltete sich in dem Gewimmel und Getümmel aus Fahrrädern, Handkarren und vielen Dingen mehr ziemlich schwierig. Auch die in den vielen labyrinthischen Gängen stehenden Waren und vor allem auch Menschenmassen, die es in Indien irgendwie immer und überall gibt, machten unser Unterfangen nicht leichter.

Wir kamen an einem Platz vorbei, an dem alle Marktbeschicker ihre Abfälle einfach abkippten. Es stank schlicht und ergreifend infernalisch und atemberaubend, wie der Müll hier in der Sonne verrottete. Dazwischen machten sich gerade zwei, der überall anzutreffenden indischen, ziemlich mageren, ausgemergelten, heiligen Kühe daran, in den Gemüseabfällen etwas Fressbares zu finden. Gleich nebenan wühlten zwei völlig ausgezehrt aussehende Frauen in völlig verschlissenen Saris im Müll. Sie suchten Plastikteile, wie Tüten usw. heraus, die sie später einem Altmaterialhändler verkauften.

Ein paar Kinder klaubten Papier und Pappe heraus und standen dabei fast knietief in dem gärenden, gammelnden stinkenden Müllmorast. Wir hatten eine weitere Lektion gelernt und gesehen, wie in Indien das Müllrecycling funktioniert. Sozusagen ein „Duales System Indien“, in dem es ganz offenbar sogar noch bei den extrem armen Müllsammlern eine Hierarchie gibt.

Als wir es fast geschafft hatten, den Ausgang zu erreichen, fielen mir drei Männer auf, die ihre Fahrräder durch den Markt schoben. Es waren diejenigen, die vor etwas über einer Stunde die Ziegenherde in den Markt getrieben hatten. Auf den Gepäckträgern ihrer Fahrräder hatten sie jeweils einige Ziegenfelle befestigt, aus denen das Blut auf den Boden heruntertropfte.

Nun wussten wir, was aus der Ziegenherde geworden war und warum die Händler immer wieder betonten.“Everything fresh!“

 

 

Aloo Dam und eine Schlange zum Frühstück

BioTee

 

Die erste Nacht im Gästehaus nach unserer Ankunft in Kalkutta war recht unspektakulär und erstaunlich ruhig. Jedenfalls erstarb nach ca. 22 Uhr der Lärm auf der Strasse, um erst gegen 5.30 Uhr am nächsten Morgen, zusammen mit dem nervtötenden Gekrächze von Krähen, wieder zu starten.

Die Kakerlaken in den Zimmerecken und im Bad ließen uns in Ruhe, der Ventilator, der für etwas Erfrischung in der schwülheißen Luft sorgte, eierte quietschend die ganze Nacht an der Decke. Das Repellent gegen die Moskitos, mit dem wir uns kräftig eingeschmiert hatten, stank widerlich und klebte ebenso widerlich auf der Haut. Da wir eine sehr lange und anstrengende Anreise aus Europa hinter uns hatten, waren wir jedoch so müde, dass wir dennoch schnell ein- und sehr gut durchschliefen.

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