Generalstreik legt Darjeeling lahm

Generalstreik legt Darjeeling lahm - Regierung entsendet ArmeetruppenRegierung entsendet Armeetruppen

Von Ralph Munz, OASIS-Versand

 

Darjeeling: Wieder einmal legt in Darjeeling seit Wochen ein Generalstreik für einen unabhängigen Staat „Ghorkaland“ die Bergregion und den Teeanbau lahm. Von den Streikenden wird dieser inzwischen zunehmend über „WhatsApp“ Nachrichten koordiniert und wird damit immer effektiver in der Durchsetzung.

Der aktuelle Generalstreik begann Mitte Juni. Die Premierministerin des Bundesstaates West-Bengal zu dem Darjeeling gehört, verbot erfolglos die Streiks. Darjeeling ist ein auch für Inder, gerade im Juni und Juli sehr beliebtes Ferienziel um der Hitze zu entfliehen. Als Folge des Streiks wurden in der nur über wenige Gebirgsstraßen erschlossenen Region schnell die Vorräte knapp und es kam auch zu Ausgangssperren.

Die Streikenden hinderten die Touristen daran, die Region mit Taxis, Bussen oder dem Toytrain zu verlassen. Daraufhin entsandte Premierministerin, Mamata Banerjee, starke Polizei- und Armeetruppen nach Darjeeling um tausende von Touristen mit Bussen aus der Krisenregion zu evakuieren.

Auch die Teegärten mussten in Folge des Streiks schließen und können nicht mehr produzieren. Das ist gerade jetzt, in der Zeit der höchsten Erntemengen des Jahres, ein herber Rückschlag für die, wegen der schwierigen topografischen Lage ohnehin wenig profitablen Teegärten. Im Teegarten Tukdah versuchten die Streikenden ein Bürogebäude in Brand zu setzen. Zwei davor parkende Regierungsfahrzeuge brannten aus.

Die Times of India berichtete in Ihrer Ausgabe vom 28. Juni, dass inzwischen auch die Vorräte an Medikamenten lebensbedrohlich knapp werden. R.K. Brailey der der Sekretär der Apothekervereinigung von Darjeeling sagte: „Wir haben kaum noch lebensrettende Medikamente. Die Vorräte reichen nur noch für einige Tage“.  Das für die Region zentrale und wichtige Krankenhaus in Darjeeling –Stadt verfüge nur noch über etwa 40 Blutkonserven.

Wegen des Streiks sind auch Lebensmittel sehr knapp geworden und die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich seit Beginn des Streiks verdoppelt. So kostet ein Kilogramm Kartoffeln inzwischen umgerechnet schon über einen Euro – ein sehr hoher Preis in einem armen Land. Nun wird versucht Lebensmittel aus dem Nachbarland Nepal und aus dem Nachbarstaat Sikkim herein zu schmuggeln. Besonders problematisch ist, dass die Bevölkerung wegen geschlossener Banken kaum noch über Bargeld verfügt mit dem sie überhaupt etwas kaufen könnte. Die Läden bleiben aus Angst vor Übergriffen geschlossen.

Der Hintergrund für die immer wiederkehrenden Streiks in Darjeeling ist, dass sich die mehrheitlich zum Volksstamm der Nepali gehörenden Ghorkas, weder vom Bundesstaat West-Bengalen noch von der Zentralregierung in Neu Delhi angemessen repräsentiert fühlen. Deshalb möchten Sie einen unabhängigen Staat „Ghorkaland“ errichten. Ein Ansinnen über das es seit Jahrzehnten Verhandlungen gibt, die aber immer mehr oder weniger ergebnislos verlaufen sind und das von der Unionsregierung abgelehnt wird.

Gemäßigte Kräfte haben für den Freitag zu einem „Friedens- und Einheitsmarsch“ in Siliguri am Fuß des Darjeeling-Distrikts aufgerufen.

 

Persönliche Anmerkungen vom Autor Ralph Munz:

Schon als ich vor fast 30 Jahren das erste Mal in Darjeeling war, eskalierte der Streit um die Unabhängigkeit immer wieder blutig. So wurden bei meinem ersten Besuch im Teegarten Seeyok , nahe der Grenze zu Nepal, in einer Nacht mehrere Ladenbesitzer im Teegarten ermordet. Damals war es wegen der Unruhen und Anschläge nur unter strengen Auflagen möglich, im Distrikt unterwegs zu sein. Ich musste mich etwa alle 10 Kilometer an einem Checkpoint an- bzw. abmelden und ich brauchte eine spezielle Genehmigung um überhaupt in Darjeeling reisen zu können.

Dazwischen war es dann einige Zeit ruhiger, da die Regierung den Ghorkas eine gewisse autonome Verwaltung des Gebietes und die Wahrung ihrer kulturellen Identität zugesichert hatte.

Dazu muss man wissen, dass die Ghorkas sich auch als „ stolze Krieger“ verstehen und das traditionelle „Kukri“, ein schweres Messer, das auch als universelles Werkzeug beispielsweise zum Holzhacken verwendet wird, ständig bei sich tragen.

Das Kukri ist aber auch eine tödliche Waffe. Und nicht von ungefähr ist ein Ghorkaregiment noch immer als Elitetruppe bei den englischen Streitkräften im Dienst. Der Stolz der Ghorkas und ihre Verbundenheit mit ihren Traditionen imponierte mir immer. Natürlich lehne ich als Pazifist jegliche Gewalt kategorisch ab.

Mehrmals habe ich als hohe Ehre der Freundschaft selbst ein Kukri als Geschenk überreicht bekommen. Eine Geste mit sehr enormer symbolischer Bedeutung. So ehren die Ghorkas traditionell einen Freund und sagen ihm damit, dass man ihm voll vertraut und ihm deshalb mit dem Kukri eine ebenbürtige Waffe übergibt.

 

 

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Bestellen leicht gemacht
Katalog gratis anfordern!

Jetzt
Entdecken Sie unsere aktuellen Kataloge und Mailings

Besuchen Sie uns auf
Friend me on FacebookFollow me on TwitterAdd me to your circlesRSS Feed
Newsletter-Anmeldung

Jetzt
Nichts verpassen! Neuheiten, Infos, Angebote, Schnäppchen und vieles mehr - kostenlos und unverbindlich eintragen!